I don’t feel like painting! … aber er hat kein Erbarmen mit ihr, sie gehört ihm, die Künstlerin ist angeleint und sie hat alles, was sie zum Malen braucht. Dafür hat ihr Herr gesorgt. Cordula Ditz hat diese und weitere Sequenzen und Bilder aus über 300 digitalisierten Horror-Filmen zu vier filmischen Collagen zusammengefügt, die ab dem 11. Februar in ihrer multimedialen Installation Kiss Tomorrow Goodbye bei Conradi gezeigt werden.

Im Vergleich zu früheren Videos unterscheidet sich bei den neuen Arbeiten der Umgang mit dem angeeigneten Material. In Video-Loops wie der Serie You’d Better Run etwa bleibt der Eingriff minimal und auf das Freilegen bestimmter Sequenzen aus ihrem narrativen Kontinuum gerichtet. Kiss Tomorrow Goodbye verdichtet nun mehrere Quellen in je einer Videoarbeit, wobei dem Collagieren dieselbe Systematik des Abtragens vorausgegangen ist: Aus den jeweiligen Filmen wird Bildmaterial weggeschnitten, bis für sich stehende kurze Sequenzen freigestellt sind.
Die einzelnen Fragmente sind in ihrem neuen Zusammenhang überlagert, gestaffelt und manipuliert. Projektionen, Monitore und die weiteren Elemente der Ausstellung vervielfachen diesen Effekt der Gleichzeitigkeit der Bilder und übertragen ihn in einen installativ inszenierten Ausstellungsraum.

Unterbrochen wird die Bilderflut von der computergenerierten Animation eines schwarz-weißen Rasters, das sich in gleichmäßig und ruhiger Bewegung in seine konstruktiven Bestandteile auflöst und wieder von selbst zusammenfügt – ein Verweis auf das normative Prinzip bildgewaltiger Produktionen und auch eine Analogie zu den zahlreichen Wirklichkeitsebenen und Oberflächen. Dass neben aufgeschreckten, delirierenden oder fliehenden Frauen eine fremdbestimmte Malerin und eine blinde Kunsthändlerin auftreten, verweist als ironisch selbst-reflexive Auseinandersetzung mit dem Authentizitätsbegriff über Gender-spezifische Fragestellungen hinaus: Kultur und Identitätsbildung als konstruierter Handlungsspielraum – in dem Film spitzen sich Subjektivität, Wahrnehmung, Täuschung und Desillusionierung als Cluster paranoider Bildräume und Situationen zu. Der attraktiven, ihre Sinnlichkeit unbewusst selbst parodierenden weiblichen Figur bleibt die Wahl zwischen Flucht und Zerstörung, episch und resigniert stellt sie fest: … Nothing is Real!

Cordula Ditz lebt in Hamburg. Als Stipendiatin der Fleetstreet-Residency wird sie zwischen Juni und Juli 2016 eine Performance mit einer Tänzerin realisieren und ihre neue Schallplatte Ditz plays LeWitt veröffentlichen.