> Yann – Vari Schubert
liquid ghosts linked machines
21.11.2014 – 10.01.2015

Liquid Ghosts - Linked Machines ist die erste Einzelausstellung
des Künstlers Yann-Vari Schubert (1984) in der Galerie Conradi.
Die gezeigten Arbeiten stehen im Zusammenhang mit Schuberts Überlegungen zur ästhetischen Funktionsweise heutiger Kommunikationsmedien. Die naturbezogene Metaphorisierung im Bereich digitaler Informationstechnologien und ihre technologische Umsetzung im Design durch das Ermöglichen einer intuitiven Benutzung suggerieren die Realisierung einer kybernetischen Utopie: eine harmonische Koexistenz von Mensch, Natur und Maschine. Dieses Ideal steht jedoch im Gegensatz zu einer wachsenden Reglementierung der Lebensverhältnisse durch algorithmische Organisationsstrukturen, welche - um einen reibungslosen Workflow zu gewährleisten - hinter dem Schleier der Erscheinungen verborgen bleiben.

Als prominenter Botschafter einer immateriellen Welt des freien Informationsaustauschs hat sich die Metapher des Flüssigen etabliert. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf ihre sprachliche Dimension; Bilder computergenerierter Flüssigkeiten bevölkern die Bilderwelten
der IT-Branchen und eröffnen einen Assoziationsraum des Natürlichen. Doch so, wie sich Datenströme nicht mit den physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Strömungen vergleichen lassen, besitzen die animierten Flüssigkeiten keine vergleichbaren Fließeigenschaften.
Im Gegensatz zu den unvorhersehbaren Eigenschaften realer Flüssigkeiten, wird ihr Fließen durch ein System von Kanälen bestimmt, deren Anfang und Ende im Voraus durch algorithmische Funktionen definiert ist. In seiner künstlerischen Praxis verwendet Schubert Computerprogramme und deren Funktionen. Doch mittels Manipulation der technischen Herstellungsverfahren bekommen seine Bildergebnisse eine materielle Präsenz, die neben dem digitalen Input durch die jeweiligen physikalischen Materialeigenschaften bedingt ist.

In „H2RHO“ fungiert das Flüssige als Störelement, indem ein Wasserbecken als Bildträger im UV-Druckverfahren dient.
Das ursprüngliche Motiv ist ein regelmäßiges Feld horizontaler schwarzer Linien, die dem Verfahrweg des Druckkopfs entsprechen. Während des automatisierten Ablaufs des Druckvorgangs gerät das Wasser in Bewegung, wobei sich die Wellen gegenläufig zum Verfahrweg des Druckkopfs bewegen. Die Interferenz der Bewegungen bewirkt, dass sich das ursprüngliche Motiv der Linien auflöst und die sonst unter dem Schwarz verborgenen Druckfarben (Cyan, Magenta und Gelb) zum Vorschein kommen. Schließlich ist das Bildergebnis abhängig vom Verdunstungsprozess, welcher je nach Umgebungs-
temperatur und Luftfeuchtigkeit variiert.
Für die Herstellung der Kreidezeichnungen verwendet Schubert eine von ihm umgebaute computergesteuerte Fräse. Dabei wurde der Fräskopf gegen eine Führung für die Kreide ausgetauscht. Die in der Ausstellung gezeigten Tafeln lassen seine Handschrift erahnen, doch der Duktus entspricht den konstanten Parametern der maschinellen Produktion.